Baubetrieb/Bauunternehmen

Materialwirtschaft im Bauunternehmen

Materialwirtschaft im Bauunternehmen sorgt dafür, dass alle benötigten Materialien wirtschaftlich geplant, rechtzeitig beschafft und effizient eingesetzt werden.

Was bedeutet Materialwirtschaft im Bauunternehmen?

Materialwirtschaft im Bauunternehmen bedeutet, alle Baustoffe und Materialien so zu planen, einzukaufen, zu lagern und zu kontrollieren, dass sie zur Verfügung stehen:
  • in der richtigen Menge,
  • zur richtigen Zeit,
  • in der richtigen Qualität
  • zu möglichst günstigen Kosten.
Materialwirtschaft sorgt dafür, dass:
  • Baustellen reibungslos arbeiten können,
  • Materialverluste vermieden werden und
  • Projekte wirtschaftlich bleiben.

Aufgaben der Materialwirtschaft

In einem Unternehmen ist die Materialwirtschaft ein komplexes Aufgabengebiet.
Sie umfasst im Bauunternehmen folgende Tätigkeiten:
  • Ermittlung des Materialbedarfs
    auf Grundlage der Bauausschreibungen, Leistungsverzeichnisse und Massenauszüge der Arbeitsvorbereitung
  • Beschaffung von Stoffen (Materialien)
    entsprechend des technisch, technologisch und wirtschaftlich begründeten Materialbedarfs nach Menge, Sortiment, Qualität und Terminen
  • Planung, Lagerung und Verwaltung
    der betrieblichen Materialvorräte einschließlich einer rationellen Materialbewegung im Bauunternehmen, insbesondere für die Baustellen
  • Gewährleistung und Sicherung
    eines rationellen und effektiven Materialverbrauchs und dessen Erfassung und Nachweisführung.
Mit der Einführung der novellierten Bauproduktenverordnung (BauPVO) vom 18. Dezember 2025 gewinnt die Materialwirtschaft im Bauunternehmen zunehmend an Bedeutung. Für Materialien und Bauprodukte ergeben sich neue Anforderungen und Änderungen, die künftig konsequent zu beachten sind.
Diese betreffen insbesondere den Einkauf von Bauprodukten – von der Bestellung über die Wareneingangskontrolle auf der Baustelle bis hin zur Prüfung der Eingangsrechnungen.
Bauunternehmen müssen dabei sicherstellen, dass die gelieferten Einbaustoffe für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet sind und alle erforderlichen Produkteigenschaften erfüllen. Zudem ist die CE-Kennzeichnung von Bauprodukten mit den vorgeschriebenen Angaben abzugleichen. Gegebenenfalls empfiehlt sich auch eine interne Kennzeichnung der angelieferten Baustoffe.
„Zu prüfen ist dabei auch, ob alle für den Einbau erforderlichen Produkteigenschaften ausdrücklich angegeben sind. Grundlage hierfür ist vor allem die Leistungserklärung des Herstellers sowie die ergänzenden Produktinformationen.“

Wirtschaftlicher Materialeinkauf

Der Materialeinkauf in einem Bauunternehmen umfasst diese Schritte:
  1. Ermittlung des Materialbedarfs,
  2. Lieferantenanfrage,
  3. Lieferantenangebote,
  4. Preisvergleich (Preisspiegel) und ggf. Preisverhandlung und
  5. Materialbestellung.
Einbaustoffe werden meist projektbezogen eingekauft. Für die Bauhilfsstoffe und Betriebsstoffe werden in der Regel nicht bauwerksbezogene, sondern
  • betriebsindividuelle und erfahrungsstatistische Aufwandskennzahlen z. B. für Kraftstoffe sowie
  • bautechnologie- und kapazitätsbezogene Erfahrungswerte für das Vorhalte- und Rüstmaterial herangezogen.
Die Bestellmenge hat wesentlichen Einfluss auf einen wirtschaftlichen Einkauf. Von ihr hängt die Höhe des Einstandspreises für die Stoffe ab. Einerseits bedeuten große Bestellungen erhebliche Kosten für die Finanzierung und ggf. Lagerhaltung, andererseits garantieren größere Bestellungen oft erhebliche Preisvorteile durch höhere Rabatte und besondere Liefer- und Zahlungsbedingungen.
Ziel ist ein wirtschaftlicher Ausgleich zwischen Preisvorteilen und Folgekosten. Auf Baustellen ist vor allem eine sichere Versorgung bei möglichst geringer Lagerhaltung wichtig. Für die Baustellen ist primär eine angemessene Lieferbereitschaft mit geringster Lagerhaltung wichtig.

So können Materialkosten reduziert werden

Ein niedriger Materialverbrauch kann erreicht werden durch:
  • Anwendung rationeller Bautechnologien
  • die preisgünstige Beschaffung und möglichst kurzfristig abrufbare Belieferung
  • die ordnungsgemäße Lagerung und Sicherung des Materials, um Materialverluste zu vermeiden
  • die laufende Kontrolle mittels Soll-Ist-Vergleichs zu den Materialkosten und die Analyse von ggf. auftretenden Mehrverbräuchen.

Materialeingänge prüfen

Vor dem Materialverbrauch sollte zunächst eine Materialeingangsprüfung erfolgen. Sie sollte u.a. drei Punkte umfassen:
  • Mengenprüfung:
    Abgleich tatsächlich gelieferter Mengen mit den im Lieferschein angegebenen Mengen
  • Zeitprüfung:
    Kontrolle des tatsächlichen Liefertermins mit dem Termin gemäß Liefervertrag.
  • Qualitätsprüfung
    Prüfen, ob die gelieferten Materialien den Anforderungen der Gütevorschriften, DIN-Vorschriften und Bauproduktenverordnung entsprechen.
Mängel müssen unmittelbar nach Eingang der Materialien festgestellt und gemeldet werden. Andernfalls verliert das Bauunternehmen ggf. seine Ansprüche zur Gewährleistung, weil ohne Stoffe als „akzeptiert“ angesehen werden können.
Materialwirtschaft im Bauunternehmen sichert die richtige Menge an Material zur richtigen Zeit, in passender Qualität und zu möglichst geringen Kosten.
Materialwirtschaft im Bauunternehmen sichert die richtige Menge an Material zur richtigen Zeit, in passender Qualität und zu möglichst geringen Kosten. Bild: © f:data GmbH

Materialverbrauch exakt ermitteln

Stoff- bzw. Materialkosten entstehen mit dem Verbrauch, d.h. mit dem Einbau und Verbrauch für die Baumaßnahme auf der Baustelle. Von Interesse ist besonders der Verbrauch von Einbaustoffen. Die Ermittlung kann nach verschiedenen Methoden erfolgen, Details dazu lesen Sie im Beitrag „Materialverbrauchsermittlung“.
Auf Grundlage der nachgewiesenen Verbräuche sind die Stoffkosten im Rahmen des betrieblichen Controllings zu betrachten.
„Das sollte erfolgen

Ordnungsgemäße und wirtschaftliche Lagerhaltung

Grundsätzlich sind die Beschaffungskosten für Materialien so gering wie möglich zu halten. Die Lagerhaltung sollte auf ein Mindestmaß eingegrenzt werden, denn jede Lagerhaltung verursacht:
  • Kapitalbindung
  • Lagerkosten
  • Zinskosten
Baustoffe als Einbaustoffe werden meist auf der Baustelle gelagert, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Ersatzteile häufig im Zentrallager.

Materialbestände mittels Inventur erfassen

Nach § 240 Handelsgesetzbuch (HGB) ist ein Bauunternehmen als Kaufmann verpflichtet, seine Vermögensgegenstände am Schluss eines jeden Geschäftsjahres mittels Inventur festzustellen. Dabei sind Einbaustoffe und Hilfsstoffe körperlich nach Art, Menge und Wert zu erfassen. Sie kann ggf. mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden sein.
„Dafür erlaubt § 241 HGB vereinfachte Verfahren. Sie müssen aber den Inventurformvorschriften bzw. den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechen.“
Nach Abnahme einer Baumaßnahme sind:
  • die Restmaterialien festzustellen
  • auf andere Baustellen umzulagern oder
  • auf dem Bauhof bzw. in das Zentrallager zurückzuführen.
Herzlichen Dank an Prof. Dr. habil. Siegmar Kloß für die fachliche Unterstützung bei diesem Artikel auf bauprofessor.de.
Bauprofessor-Redaktion
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