Kunstharzestrich ist ein spezieller Bodenbelag, der u. a. aus einem kunstharzbasierten Bindemittel besteht. Er wird oft in Industriehallen, Großküchen oder Parkhäusern eingesetzt.
Was ist Kunstharzestrich?
Kunstharzestrich ist eine spezielle Estrichart, bei der synthetisches Harz als Bindemittel eingesetzt wird. Er zeichnet sich durch eine schnelle Erhärtung, hohe Widerstandsfähigkeit und fugenlose Verarbeitung aus. Der Bodenbelag, abgekürzt SR (englisch: Synthetic Resin Screed gemäß DIN 18560-1), besteht aus einem harzgebundenen Estrichmörtel und dient als tragfähiger Untergrund oder Ausgleichsschicht. Kunstharzestrich gehört zu den Estrichen nach dem Bindemitteltyp und wird direkt auf der Baustelle angemischt und eingebaut. Er härtet chemisch innerhalb von 24 bis 48 Stunden aus – abhängig von Harzsystem, Temperatur und Mischverhältnis. Kunstharzestrich bildet eine sehr widerstandsfähige, fugenlose Schicht von 8 bis 25 mm Dicke. Er wird vor allem dort eingesetzt, wo hohe mechanische oder chemische Belastungen auftreten, z. B. in Industriehallen, Großküchen, Parkhäusern oder Werkstätten. Kunstharzestrich kann je nach baulicher Anforderung in verschiedenen Konstruktionsarten eingesetzt werden, unter anderem als:
Eigenschaften von Kunstharzestrich
Kunstharzestrich hat unterschiedliche Eigenschaften, die ihn vielseitig einsetzbar machen:
Schnelltrocknend
Kunstharzestrich bindet schnell und mit geringem Schwund ab. Die schnelle Erhärtung reduziert das Risiko von Rissbildung und ermöglicht eine fugenlose Verlegung. Er ist schon nach kurzer Trocknungszeit belegreif – wodurch allerdings die Verarbeitungszeit begrenzt ist.
Druckfest
Durch seine hohe Druckfestigkeit eignet sich Kunstharzestrich ideal für stark beanspruchte Flächen, etwa in der Industrie oder Logistik.
Abriebfest
Dank seiner hohen Abriebfestigkeit bewährt sich der Estrich besonders in Bereichen mit mechanischer Dauerbelastung, wie z. B. Fahrwegen oder Werkhallen.
Beständig
Je nach Harztyp ist Kunstharzestrich beständig gegenüber Wasser, Ölen, Reinigungsmitteln und verschiedenen Chemikalien. Das macht ihn ideal für den Einsatz im Industrie-, Labor- oder Lebensmittelbereich.
Elastisch Kunstharzestriche mit flexiblen Bindemitteln (z. B. PUR) sind stoß- und schlagunempfindlich. Sie gleichen Bewegungen besser aus und verlängern so die Lebensdauer des Bodens.
Trotz seiner zahlreichen positiven Eigenschaften weist Kunstharzestrich auch Einschränkungen auf, z. B. höhere Materialkosten oder besondere Anforderungen an den Untergrund. Diese Aspekte sollten bei der Planung berücksichtigt werden.
Arten von Kunstharzestrich
Kunstharzestriche bestehen in der Regel aus quarzitischen Gesteinskörnungen.
Je nach Anforderungen können spezielle Zuschläge beigemischt werden, wie z. B.:
Im Gegensatz zu mineralischen Bindemitteln (wie sie bei Zementestrichen verwendet werden) bestehen die Bindemittel bei Kunstharzestrichen aus synthetischen Harzen.
Die Wahl des Harztyps richtet sich nach den Anforderungen an:
chemische Beständigkeit,
Flexibilität,
Verarbeitungszeit oder
Temperaturbedingungen.
Gängige Kunstharztypen sind:
Epoxidharze (EP)
Epoxidharze werden in industriellen Bereichen eingesetzt. Epoxidharzestrich ist besonders widerstandsfähig gegenüber chemischen Einflüssen.
Polyurethane (PUR) Polyurethane machen den Estrich flexibler und elastischer als Epoxidharz. Sie eignen sich für Estriche, die dynamischer Belastung ausgesetzt sind. Ungesättigte Polyesterharze (UP)
Ungesättigte Polyesterharze finden Anwendung in Bereichen mit hohen Belastungen. Sie werden für Estriche in z. B. technischen Betriebsräumen verwendet.
Polymethylmethacrylate (PMMA)
Polymethylmethacrylate härten schnell aus. PMMA-Estriche können auch bei niedrigen Temperaturen verlegt werden.
Wo wird Kunstharzestrich angewendet?
Kunstharzestrich wird im Innen- und Außenraum angewendet, unter anderem:
Normen und Regelungen für Kunstharzestrich
Die Verlegung von Kunstharzestrich erfordert besondere Fachkenntnisse und sollte stets durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen.
Aufgrund der spezifischen Eigenschaften von Kunstharzestrichen gelten besondere technische Anforderungen und Normen, z. B.:
DIN 18560-1: Estriche im Bauwesen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen, Prüfung und Ausführung. DIN EN 13813: Estrichmörtel, Estrichmassen und Estriche – Estrichmörtel und Estrichmassen – Eigenschaften und Anforderungen. DIN 18353 (VOB Teil C): VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Estricharbeiten.